Element Of Crime Foto: Charlotte Goltermann

Präsentator(en):
Berlin Music TV

Element Of Crime

+ DIE HÖCHSTE EISENBAHN

Datum: Samstag, 16. Juli 2016
Zeiten: 19:30 (Einlass: 17:30)

"Lieblingsfarben und Tiere"-Tour 2016


Eine Band, die 1985 beim legendären AtaTak-Label ihr erstes Album aufnahm und seither dreizehn Studioalben geschaffen hat, hätte viel zu erzählen: von Düsseldorf und dem Pyrolator, von London und John Cale, von den Anfängen in den klammen Kellern der Westberliner Postpunk-Szene. Davon wie es ist, wenn man als deutsche Band englische Texte macht und dann irgendwann in die Muttersprache wechselt. Und all die Tourgeschichten aus den 80er, 90er und 00er Jahren. Aber eigentlich ist es nicht wichtig, wie lange es ELEMENT OF CRIME schon gibt, was sie schon alles gemacht und welche Bedeutung sie in der deutschen Musiklandschaft gewonnen hat.

Die vier, die seit fast dreißig Jahren und dreizehn Alben eine Band sind, tun, was sie tun müssen, Häuser aus Stein bauen, im Hier und Jetzt existieren, Songs schreiben und Platten aufnehmen. Eine Musik machen, die man voraussetzungslos, ohne Vorwissen hören und lieben kann.

Mit Titeln wie „Schade, dass ich das nicht war“, „Rette mich (vor mir selber)“ und „Wenn der Wolf schläft, müssen alle Schafe ruhen“, die davon handeln, dass man beim Tanken auch das Zahlen vergessen und Finger auch an der Jacke abwischen kann, wo die Wahrheit den Sinn alte Socke nennt und Erdbeermarmeladenbrote die Schulbücher versauen und was das mit der Liebe zu tun hat, wo Schwachstromsignale Übertragungsprobleme haben und Datensätze dorthin kommen, wo die Sonne niemals scheint – und wer bitte sonst kann so romantisch über dunkle Wolken, dieselben Sterne und nächtliches Nacktbaden singen? Eben.

Live: ein folkiger Wind, der einem die Ohren freibläst, eine herbe Schönheit, die ein bisschen auf die Frühphase der Band verweist, auf die englischsprachigen 80iger Jahre, als man sie in aller Hilflosigkeit wahlweise (und wahllos) mit Velvet Underground, Bo Diddley oder Bob Dylan verglich. Und die Texte – man traut kaum den eigenen Ohren bei diesem Parforceritt durch eine seltsame Welt: da werden rechte Arme gegen ein Lächeln verschenkt, Horizonte zu Beleuchtungszwecken verbogen, Blumen beim Spar gekauft, Handys abgestellt, verbrennt die Sonne die Gardinen, beleidigen Häuser die Statik, man trifft sich im Baumarkt und in schwarzen Taxis, reden und rauchen, lachen und zittern – das ganze Programm.

Wie kommt man auf sowas? Und wieso ist das so schön? Wie können so ausgefallene Texte so musikalisch und wie kann Musik so bunt sein? Das sind Fragen, die sich ELEMENT OF CRIME nicht stellen. Sie sagen lieber, dass nichts so kalt sei, wie der heiße Scheiß von gestern, aber auch, dass Wiederholungen besser sind, als du denkst.